Auf den Britischen Inseln herrscht Linksverkehr, das ist soweit bekannt. Nachdem wir nun auf unserer Motorradreise über 70.000 Kilometer auf der „richtigen“ Seite unterwegs waren und ja auch sonst eigentlich ausschließlich mit Rechtsverkehr konfrontiert sind, beschlich uns während der Fährüberfahrt so langsam ein leicht mulmiges Gefühl, ob wir denn die nötige mentale Flexibilität mitbringen würden, um uns in den fließenden Linksverkehr ereignisfrei mit einzureihen. Außer einiger kurzer Momente der Desorientiertheit zu Beginn kommen wir mittlerweile aber gut klar. Hier hilft es auch mal wieder, dass wir zu zweit unterwegs sind. Die falsche Seite ist aber eigentlich nur der Anfang, denn Irlands Straßen verzeihen keinen Moment der Unachtsamkeit. Zum einen sind sie meist sehr schmal und zum anderen auch noch schlecht einsehbar. Denn wenn etwas charakteristisch für das hiesige Straßenbild ist, dann sind das meterhohe Hecken, und zwar auf beiden Seiten. Kurven einzusehen ist damit quasi unmöglich. Gern kommt dann auch mal ein riesiger Traktor entgegen, der gefühlt 80% der Fahrbahnbreite einnimmt. Zum Glück sind wir mit unseren Motorrädern recht schmal, so dass es bisher immer gepasst hat. Dazu kommt noch ein sehr unruhiger Straßenbelag, der die ganze Fuhre in eine einzige Schaukelei verwandelt. Auch hier können unsere modernen BMWs punkten und bügeln das mit ihrem adaptiven Fahrwerk in den Grenzen des physikalisch Möglichen einigermaßen glatt. Die allergrößte Schwierigkeit besteht aber tatsächlich darin, dass man beständig mit immer wieder neuen grandiosen Ausblicken konfrontiert wird, die es fast unmöglich machen, dem Straßenverlauf die volle Aufmerksamkeit zu widmen. Das einzige Gegenmittel: Anhalten, Motor aus und sich am Panorama sattsehen.
Unsere erste Etappe aus Dublin raus begann gleich mal etwas holprig. Zuallererst waren sämtliche Straßen in und um die Stadt ein einziger Stau und dann wollte Marios mitgebrachter Helm plötzlich nicht mehr passen. Und zwar auf eine Weise, dass unbedingt Ersatz her musste. Der fand sich nach einiger Sucherei schließlich, wenn auch zu einem Preis, bei dem man kurz scharf einatmen muss.
Nun sind wir schon ein paar Tage unterwegs und das Wetter war uns größtenteils gnädig. Außer heute, wo es dauerregnet und wir den Tag nutzen, um zum Beispiel diesen Text zu schreiben. Die Fahrtage sind geprägt von Ahs und Ohs und das nicht nur wegen der schönen Landschaft, sondern auch Souveränität und Komfort unserer neuen Gefährte bringen uns regelmäßig ins Schwärmen.
Auf den nächsten Etappen warten ganz besondere Highlights wie die Beara Halbinsel und der Ring of Kerry auf uns. Schwer vorstellbar, dass sich das bisher Gesehene tatsächlich noch toppen lässt, aber wir lassen uns gern eines Besseren belehren.
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