Unseren letzten Blogeintrag haben wir „Das Ende“ genannt. Am Ende unserer letzten Etappe durch Kanada saßen wir auf unseren alten Motorrädern und ertappten uns bei dem Gedanken, wie schön es jetzt wäre, auf etwas Größerem und Modernerem zu sitzen. Mehr Leistung, weniger Vibrationen, besserer Windschutz und vielleicht sogar ein bisschen elektronischer Schnickschnack.
Nun, da sind wir. BikeByBit ist wieder unterwegs – und dieses Mal auf zwei BMW R1250 GS. Es ist tatsächlich ein Neuanfang. Nach all den Jahren und Kilometern auf unseren alten Motorrädern beginnt damit ein neues Kapitel unserer Reise.
Um dorthin zu kommen, mussten wir zunächst einmal durch Frankreich. Was ich bei der Planung für mich eher als notwendige Anreise abqualifiziert hatte, entpuppte sich unerwartet als eines der Highlights der gesamten Reise.
Drei Tage waren wir unterwegs von der Südpfalz bis nach Cherbourg – und dabei so gut wie ausschließlich auf kleinen und kleinsten Straßen. Genau so war es geplant. Inzwischen navigieren wir beide mit Calimoto, die App macht bei der Routenplanung und insbesondere der Vermeidung gesperrter Straßen ziemlich genau das, was wir so erwarten.
Schon die Ardennen lieferten alles, was man sich als Motorradfahrer wünschen kann: Berge, Kurven und reichlich Gelegenheit für Schräglage. Danach wurde die Landschaft allmählich weiter, die Straßen aber nicht größer. Durch die Normandie führte uns die Route über schmale Landstraßen, durch winzige Dörfer, Wälder und Felder und Sträßchen, die nur dazu da sind, dass der Bauer zu seinem Acker kommt.
Die Vorliebe für kleine Straßen hat in Frankreich allerdings einen gewissen Nebeneffekt. Jedes noch so kleine Dorf hat seine 30er-Zonen – und diese Tempolimits werden mit einer stattlichen Anzahl von mit der Zeit ausgesprochen nervigen Temposchwellen durchgesetzt. Also abbremsen, drüberholpern, beschleunigen, nächster Bumper, wieder abbremsen. Kaum hat man das Dorf hinter sich und wieder Fahrt aufgenommen, kündigt das nächste Ortsschild die Fortsetzung des Programms an. Bei zehn Stunden auf dem Motorrad entwickelt man irgendwann eine durchaus persönliche Beziehung zu diesen Dingern.
Landschaftlich waren diese drei Tage trotzdem schlicht großartig und weit mehr als nur die notwendige Anreise zur eigentlichen Reise.
Immerhin spielte das Wetter mit.
Drei Tage nahezu perfektes Motorradwetter machten es uns ausgesprochen leicht, auch die langen Tage zu genießen.
Die erste Nacht verbrachten wir in Charleville-Mézières im „Le Dormeur du Val“. Das Hotel wollte erkennbar stylisch sein, wobei die Umsetzung einem sympathischen Selfmade-Prinzip folgte. Als hätte jemand beschlossen, dass man für ein Designhotel nicht zwingend einen Designer braucht.
Am nächsten Tag ging es weiter Richtung Normandie und schließlich in die Gegend der Seine-Mündung. Hier änderte sich das Bild noch einmal und es wurde es ausgesprochen mondän. Herausgeputzte Orte, prächtige Häuser; wer hier wohnt - vielleicht sogar nur mal am Wochenende - der hat es vermutlich geschafft.
Am Abend landeten wir in Tourville-les-Ifs. Dort hatten wir uns spontan für die Nacht in einem wunderschönen alten Haus eingemietet. Die Besitzer, ein junges sympathisches Paar, arbeiten unter der Woche in Paris und verbringen die Wochenenden hier auf dem Land. Wir hatten die ganze obere Etage für uns, verbrachten aber den Großteil des Abends unten in der Küche bei angeregten Gesprächen.
Am dritten Tag kam dann noch die Küste dazu. Und die war streckenweise schlicht atemberaubend. Wir fuhren entlang der normannischen Steilküste und machten einen Sightseeing-Stopp in Étretat mit seinen berühmten Kreidefelsen und Felsentoren. Auch hier mit einem ständigen Blick auf die Uhr.
Danach ging es weiter Richtung Westen und schließlich zu den Landungsstränden und einigen Überresten des Atlantikwalls. Utah Beach und die Batterie von Crisbecq lagen einigermaßen auf unserem Weg und boten sich damit für einen weiteren, ebenfalls zeitlich streng limitierten Zwischenstopp an.
Pünktlich erreichten wir schließlich Cherbourg und damit rechtzeitig unsere Fähre.
Was angesichts meiner ansonsten seit Monaten sorgfältig betriebenen Planung durchaus erwähnenswert ist. Denn an anderer Stelle hatte diese bereits eine kleine Schwäche offenbart.
Unser erstes Bed & Breakfast in Dublin hatte ich nämlich schon vor einem halben Jahr gebucht. Rechtzeitig, vorausschauend und bestens organisiert. Nur eine Kleinigkeit hatte ich dabei übersehen: Dass die Fähre von Cherbourg nach Dublin praktisch einen ganzen Tag braucht.
Das B&B hatte ich für einen Tag zu früh gebucht! Mist!
Aufgefallen ist mir das übrigens auch nicht selbst, irgendwann während der vergangenen sechs Monate. Gestern Abend auf der Fähre erreichte mich eine freundliche Mail unserer Gastgeberin mit der Frage, wo wir denn bleiben würden.
Tja.
Wir sind auf der Fähre.
Die Motorräder stehen ein Deck tiefer, wir haben unsere Kabine bezogen und Dublin muss noch einen Tag ohne uns auskommen.
Morgen sind wir dann wirklich da.
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